Resilienz – Innere Stärke trotz äußerer Unruhe

Glaskugel mit Sonnenuntergang im Hintergrund, Beitragsbild Resilienz

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, widrigen Umständen zu trotzen. Es ist eigentlich ein Begriff technischen Ursprungs, der eine Materialeigenschaft beschreibt. Doch nicht zuletzt in diesen herausfordernden Zeiten wird das Konzept  zu einer Strategie, um Krisen zu überwinden. 

Der Ursprung des Resilienzbegriffs

Der Begriff Resilienz ist nicht neu. Er kommt aus der Materialwissenschaft und beschreibt, dass ein Material nach Einwirkung von außen in seinen ursprünglichen Zustand zurückkommt. In den 70er Jahren wurde das Konzept auf die Psychologie übertragen. Eine amerikanische Psychologin beobachtete damals über 40 Jahre lang etwa 700 Kinder in ihrer Entwicklung. Einige dieser Kinder hatten schlechte Entwicklungsprognosen aufgrund schwieriger Startbedingungen, wie Armut oder Gewalterfahrungen. Dennoch entwickelten sich diese Kinder gut im Sinne der gesellschaftlichen Erwartungen an eine normale Entwicklung. Für dieses Gedeihen trotz widriger Umstände wurde der Begriff Resilienz geprägt.

Was bedeutet Resilienz nun ganz konkret?

Vor diesem Hintergrund lässt sich Resilienz also als psychische Widerstandsfähigkeit beschreiben. Die genauen Definitionen sind allerdings recht vielfältig. Flexibilität, Stressreduktion, Regeneration in Zeiten von Lebenskrisen oder im Umgang mit Rückschlägen, Trennungen, Verlusten und Konflikten gehören zum Spektrum. Resilienten Menschen gelingt demnach also, sich in krisenhaften Zeiten zu behaupten und sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Mit Stresssituationen kann dank Resilienz souverän umgegangen werden, die Grundhaltung ist optimistisch und die Beziehungen zu anderen Menschen sind stabil.

Neben genetischen Faktoren, der sozialen sowie familiären Herkunft und Persönlichkeitsmerkmalen seien auch äußerliche Faktoren entscheidend dafür, wie resilient ein Mensch ist. Außerdem soll sich Resilienz erlernen lassen. Es ist also nicht verwunderlich, dass in diesen Zeiten zunehmend Ratgeber und Lehrgänge auftauchen, die einen darin anleiten, die eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken. Wer wünscht sich nicht, positiv durchs Leben zu gehen und Stress an sich abprallen zu lassen?

Faktoren zur Förderung der inneren Stärke

Eine ausgeprägte innere Widerstandsfähigkeit wird von bestimmten Faktoren beeinflusst.

  1. Analyse von Denk- und Handlungsmuster: Resiliente Menschen hinterfragen Denkmuster, analysieren Ursachen für Probleme und entwickeln neue Handlungsmuster
  2. Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit: Die eigenen Stäken sind bekannt und dem eigenen Handeln wird eine Wirkung beigemessen
  3. Optimismus: Eine optimistische Haltung ist ein zentraler Baustein der Resilienz und sorgt für Zuversicht und Leichtigkeit
  4. Kontaktfreude und Empathie: Resilienten Personen wird eine emotionale Intelligenz zugesprochen und die Suche nach langanhaltenden Beziehungen zu einfühlsamen Menschen
  5. Realistische Ziel- oder Zukunftsorientierung: Resilienz beinhaltet einen realistischen Blick auf die Zukunft mit langfristigen Zielen, die auch in Zeiten von Krisen Bestand haben
  6. Emotionssteuerung: In Ausnahmesituationen stabile Gefühlslagen beibehalten, um Belastung als Herausforderung aber nicht als Stress zu empfinden, gilt als resilient
  7. Impulskontrolle: Damit ist das kontrollierte und überlegte Reagieren auf Anreize gemeint

Akzeptiere, was du nicht ändern kannst?!

In Zeiten wie diesen – mit einer angespannten weltpolitischen Lage, einer inzwischen mehrere Jahre andauernden Pandemie, einer sich zunehmend verschärfenden Klimakatastrophe – wird der Ruf nach einer resilienten Bevölkerung immer lauter. Nach meiner Interpretation bedeutet Resilienz in diesem Kontext, die nicht veränderbaren Umstände anzuerkennen und als Individuum einen Weg zu finden, mit ihnen zu leben oder darin sogar eine Chance zu sehen.

Aber führt das nicht auch zu einer Resignation und Entpolitisierung? Natürlich lässt sich das weltpolitische Geschehen durch das eigene Handeln nicht unmittelbar ändern. Und doch gibt es meist gewisse Handlungsmöglichkeiten, wenn eine Situationen nicht einfach akzeptiert werden kann – sich zu engagieren, zu beschweren, zu vernetzen, Unterstützung zu suchen. Wäre es resilienter, die Missstände einfach an sich abprallen zu lassen, ohne sich ihnen weiter zu widmen? 

Sicher kann es in Zeiten wie diesen nicht schaden, seine eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken. Dennoch kann es nicht allein eine individuelle Aufgabe sein, strukturelle Probleme mit der eigenen Gelassenheit zu kompensieren. 

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